Plissee ohne Bohren montieren: So messen, kaufen und befestigen Sie richtig Schritt für Schritt
Wenn Nachbarn direkt ins Wohnzimmer schauen oder die Sonne im Homeoffice blendet, ist ein Plissee ohne Bohren oft die sauberste Lösung für die Mietwohnung. Entscheidend sind exakte Maße, die passende Klemm- oder Klebetechnik und ein Stoff, der zum Fenster und zur Nutzung passt.
Gerade bei Kunststofffenstern im Neubau oder alten Holzfenstern im Altbau lohnt sich die Planung vor dem Kauf, weil wenige Millimeter über festen Halt oder schiefe Falten entscheiden.
Auf einen Blick
- Für Mietwohnungen geeignet: Klemmträger und Klebeleisten vermeiden Bohrlöcher im Fensterrahmen.
- Wichtige Maße: Glasbreite, Glashöhe, Glasleistentiefe und Abstand zum Fenstergriff genau messen.
- Realistische Kosten: einfache Klemmplissees kosten etwa 25 bis 45 EUR, maßgefertigte Wabenplissees meist 70 bis 150 EUR pro Fenster.
- Norm und Sicherheit: Bei Schnüren und Ketten auf kindersichere Ausführung nach DIN EN 13120 achten.
Entscheidungs-Checkliste vor dem Kauf
- Ist das Fenster nach innen öffnend? Ja: Klemmträger sind meist möglich. Nein: Klebe- oder Rahmenlösung prüfen.
- Hat die Glasleiste mindestens 15 mm Tiefe? Ja: Montage direkt vor der Scheibe ist oft stabil. Nein: besser Klemmträger auf dem Flügel wählen.
- Stört ein Fenstergriff im Bewegungsbereich? Ja: schmalere Anlage oder Seitenversatz einplanen.
- Ist der Raum feucht, etwa Bad oder Küche? Ja: feuchtraumgeeigneten Polyesterstoff wählen.
- Soll der Raum abgedunkelt werden? Ja: Verdunkelungs- oder Wabenplissee statt Sichtschutzstoff kaufen.
- Wohnen Kinder im Haushalt? Ja: Bediengriffe oder kurze, gesicherte Schnüre nach DIN EN 13120 bevorzugen.

Maße nehmen und Befestigung wählen
Ein Plissee ohne Bohren wird üblicherweise entweder mit Klemmträgern am Fensterflügel befestigt oder mit Klebeleisten auf Glasleiste beziehungsweise Rahmen geklebt. Klemmträger sind rückstandsfrei lösbar, tragen aber am Fensterflügel etwas auf. Klebeleisten wirken dezenter, brauchen jedoch einen sauberen, fettfreien Untergrund und halten auf sehr rau lackiertem Altbauholz nicht immer zuverlässig.
In der Praxis funktionieren Klemmträger bei den meisten nach innen öffnenden Kunststofffenstern sehr gut, wenn der Fensterflügel zwischen 15 und 25 mm stark ist. Viele Sets decken Flügelstärken von etwa 13 bis 24 mm ab. Vor dem Kauf sollte man deshalb nicht nur die Scheibe messen, sondern auch die Kante des Fensterflügels.
So messen Sie die Breite
Messen Sie die Glasbreite inklusive der sichtbaren Gummidichtung, aber ohne den schrägen Teil der Glasleiste. Bei einem typischen Fenster mit 80 cm Glasbreite liegt das Bestellmaß für eine Montage in der Glasleiste häufig bei 79 bis 80 cm. Bei Klemmträgern auf dem Fensterflügel darf das Plissee etwas breiter sein, zum Beispiel 84 cm, solange es nicht am Griff oder an der Laibung schleift.
Erfahrungsgemäß entstehen die meisten Reklamationen durch zu breite Anlagen. Wenn die seitlichen Profile am Fenstergriff anstoßen, lässt sich das Plissee nicht sauber bewegen. Planen Sie deshalb seitlich mindestens 5 mm Luft zum Griff und zur Fensterlaibung ein.
So messen Sie die Höhe
Bei Montage in der Glasleiste messen Sie die lichte Glashöhe von Dichtung zu Dichtung. Bei einem Standardfenster in deutschen Wohnungen sind 120 cm, 130 cm oder 140 cm Höhe häufig. Bei bodentiefen Fenstern im Neubau können es 200 bis 220 cm sein, hier sollten Sie auf stabile Spannschuhe und einen straffen Seilverlauf achten.
Für Klemmträger am Fensterflügel messen Sie die komplette Flügelhöhe. Wichtig ist, dass oben und unten genug Platz für die Träger bleibt. Rechnen Sie je nach System mit etwa 2 bis 4 cm zusätzlichem Platzbedarf oben und unten.
Glasleistentiefe nicht vergessen
Die Glasleistentiefe ist der Abstand von der Vorderkante der Glasleiste bis zur Scheibe. Für viele verspannte Plissees reichen etwa 15 mm. Bei sehr flachen Glasleisten unter 10 mm sitzen Klebefüße oft ungünstig, dann ist eine Montage am Flügel die sicherere Wahl.
Typischer Fehler in deutschen Altbauwohnungen: Es wird nur die sichtbare Scheibe gemessen, obwohl die Holzglasleisten ungleichmäßig sind. Bei alten Fenstern in Berlin, Hamburg oder Leipzig können oben und unten 3 bis 6 mm Unterschied vorkommen. Messen Sie deshalb immer an drei Stellen und verwenden Sie für das Bestellmaß den kleinsten Wert.
Wenn die Fenster zusätzlich ziehen, sollte zuerst die Dichtung geprüft werden. Mehr dazu passt thematisch zu Fenster abdichten Altbau, denn ein Plissee ersetzt keine defekte Fensterdichtung.
Kaufen, Stoff wählen und Kosten realistisch planen
Beim Plissee entscheidet nicht nur die Farbe. Sichtschutz, Blendschutz, Hitzeschutz und Verdunkelung sind unterschiedliche Anforderungen. Ein heller Sichtschutzstoff lässt tagsüber Licht durch, macht aber abends bei eingeschalteter Lampe oft Silhouetten sichtbar. Ein Verdunkelungsstoff blockt Licht besser, wirkt aber in kleinen Räumen schwerer.
Sichtschutz, Verdunkelung oder Wabenplissee?
Für Wohnzimmer, Küche und WG-Zimmer reicht meist ein einfacher Sichtschutzstoff. Gute Fertigplissees in 60 x 130 cm oder 80 x 130 cm kosten im Baumarkt oder Onlinehandel etwa 25 bis 45 EUR. Die Auswahl an Standardmaßen ist groß, aber bei Sonderfenstern im Altbau passt ein Fertigmaß selten perfekt.
Für Schlafzimmer sind Verdunkelungsplissees sinnvoll. Ein Standardmodell liegt meist bei 35 bis 70 EUR. Maßanfertigungen starten häufig bei etwa 55 EUR und können bei 100 x 140 cm je nach Stoff und Schienensystem 90 bis 130 EUR kosten.
Wabenplissees haben eine doppelte Stofflage mit Luftkammer. Sie verbessern den sommerlichen Blendschutz und reduzieren im Winter das Kältegefühl vor der Scheibe, ersetzen aber keine energetische Sanierung nach GEG. Für ein Fenster mit 90 x 130 cm sollten Sie meist 80 bis 150 EUR kalkulieren, bei Markenware und Sonderfarben auch mehr.
Material und Pflege im Alltag
Polyester ist der Standard, weil es formstabil, pflegeleicht und relativ feuchteunempfindlich ist. Für Bad und Küche sollte der Stoff ausdrücklich als feuchtraumgeeignet gekennzeichnet sein. Baumwollähnliche Strukturen sehen wohnlicher aus, können aber Staub stärker binden.
In einer 75 m² Altbauwohnung in Hamburg mit drei großen Straßenfenstern würde ich für zwei Sichtschutzplissees im Wohnzimmer und ein Verdunkelungsplissee im Schlafzimmer grob 160 bis 300 EUR einplanen. Dazu kommen eventuell 8 bis 15 EUR für Reinigungsalkohol, ein gutes Maßband und Ersatz-Klebepads. Wer Maßware für alle drei Fenster nimmt, landet eher bei 270 bis 450 EUR.
Mietrecht und Rückbau
In einer Mietwohnung ist der große Vorteil der bohrfreien Montage der einfache Rückbau. Klemmträger hinterlassen normalerweise keine bleibenden Spuren. Klebepads können jedoch Lack anlösen oder auf alten Holzrahmen Rückstände hinterlassen, daher zuerst an unauffälliger Stelle testen.
Bohrungen in Kunststofffenster sind heikel, weil der Fensterrahmen Teil der Mietsache ist und Schäden teuer werden können. Für gebohrte Lösungen sollte man sich die Zustimmung des Vermieters schriftlich holen. Ohne Zustimmung sind Klemmträger, Klebeleisten oder eine separate Klemmstange meist die bessere Lösung.
Wenn es vorrangig um Hitze und Blendung geht, lohnt sich zusätzlich ein Blick auf Sonnenschutz Mietwohnung, weil Außenverschattung, Vorhänge und Folien andere Wirkungen haben als Plissees.
Montage Schritt für Schritt

Legen Sie vor der Montage alles bereit: Plissee, Träger, Spannschuhe, Inbusschlüssel oder kleinen Schraubendreher, Maßband, Bleistift, Wasserwaage und ein weiches Tuch. Für Klebemontage brauchen Sie zusätzlich Reinigungsalkohol oder Glasreiniger ohne rückfettende Zusätze. Arbeiten Sie nicht bei sehr kaltem Rahmen, weil Klebepads unter etwa 15 Grad Celsius schlechter haften.
1. Fenster reinigen und Position markieren
Reinigen Sie Rahmen oder Glasleiste gründlich und trocknen Sie die Fläche. Markieren Sie oben und unten die gleiche seitliche Position. Bei einem 80 cm breiten Plissee sollte links und rechts der gleiche Abstand zur Glasleiste bleiben, sonst laufen die Schnüre schief.
Aus eigener Erfahrung lohnt sich hier eine zweite Messung vor dem Andrücken der Klebeteile. Ein um 4 mm versetzter Spannschuh sieht auf den ersten Blick harmlos aus, sorgt aber später für schräg stehende Falten.
2. Träger montieren
Bei Klemmträgern setzen Sie die oberen Träger auf den geöffneten Fensterflügel und ziehen sie nur handfest an. Zu starkes Anziehen kann Gummidichtungen quetschen oder bei günstigen Kunststoffträgern das Gewinde beschädigen. Danach montieren Sie die unteren Träger in gleicher Flucht.
Bei Klebeleisten drücken Sie jeden Halter 30 bis 60 Sekunden fest an. Viele Klebepads erreichen ihre volle Haftkraft erst nach einigen Stunden. Hängen Sie schwere Plissees deshalb nicht sofort mit voller Spannung ein, sondern beachten Sie die Herstellerangaben.
3. Plissee einhängen und Schnurspannung einstellen
Hängen Sie die Schienen ein und führen Sie die Spannseile sauber in die Spannschuhe. Das Plissee soll sich ohne Ruckeln bewegen, aber nicht durchhängen. Wenn die Seile zu stramm sind, verzieht sich der Rahmen und die Bedienung wird schwergängig.
Bei breiten Fenstern ab etwa 100 cm ist eine zweite Person hilfreich. Eine Person hält die Schiene waagerecht, die andere fixiert die Enden. So vermeiden Sie, dass die Schnüre verdrehen oder die obere Schiene aus dem Träger springt.
4. Bedienung und Sicherheit prüfen
Schieben Sie das Plissee mehrmals ganz nach oben und unten. Die Falten sollen gleichmäßig liegen, die Profile dürfen nicht am Griff anstoßen. Bei Anlagen mit Schnur oder Kette müssen lose Schlaufen gesichert werden, besonders im Kinderzimmer.
Achten Sie auf Angaben zur Kindersicherheit nach DIN EN 13120. Praktischer sind in Kinderzimmern Plissees mit Bediengriff direkt an der Schiene. Wenn Sie ohnehin ein Zimmer für ein Kind neu planen, passt der nächste Schritt zu Kinderzimmer einrichten.
5. Nachjustieren nach einigen Tagen
Kontrollieren Sie nach drei bis sieben Tagen die Spannung. Neue Plissees setzen sich leicht, besonders bei hohen Anlagen über 180 cm. Kleine Korrekturen an den Spannschuhen reichen meist aus.
Bei Klebemontage sollten Sie prüfen, ob sich Ecken lösen. Wenn ja, nicht einfach stärker ziehen, sondern Fläche reinigen und ein neues Pad verwenden. Ersatzpads kosten meist 3 bis 8 EUR pro Set.
Zusammenfassung
- Fenster immer an mehreren Stellen messen: Breite, Höhe, Glasleistentiefe und Abstand zum Griff.
- Für Mietwohnungen zuerst Klemmträger prüfen, weil sie sich meist rückstandsfrei entfernen lassen.
- Bei flachen Glasleisten unter 10 mm besser keine filigrane Klebemontage in der Glasleiste wählen.
- Sichtschutzstoff für Wohnen und Küche, Verdunkelungsstoff für Schlafzimmer, Wabenplissee für mehr Komfort an kalten oder sonnigen Fenstern.
- Für ein normales Fenster realistisch 25 bis 70 EUR bei Fertigware und 70 bis 150 EUR bei guter Maßware einplanen.
- Bei Kindern auf gesicherte Schnüre, kurze Bedienketten oder Bediengriffe nach DIN EN 13120 achten.
- Nach der Montage nachjustieren, damit das Plissee gerade läuft und die Spannseile nicht zu stramm sitzen.
Häufige Fragen
Hält ein Plissee ohne Bohren wirklich dauerhaft?
Ja, wenn Befestigung und Fenster passen. Klemmträger halten auf üblichen Kunststofffenstern sehr zuverlässig. Klebeteile brauchen einen sauberen, glatten Untergrund und ausreichend Anpresszeit.
Was kostet ein gutes Plissee für ein Standardfenster?
Für ein Standardfenster mit etwa 80 x 130 cm kostet ein einfaches Fertigplissee meist 25 bis 45 EUR. Maßware liegt oft bei 55 bis 120 EUR, Wabenplissees eher bei 80 bis 150 EUR.
Kann ich Plissees auf Holzfenstern im Altbau montieren?
Ja, aber alte Lackschichten und ungerade Glasleisten müssen geprüft werden. Klemmträger sind oft schonender als Klebepads, weil Kleber beim Entfernen Lack abziehen kann.
Welche Plissees eignen sich für das Bad?
Für das Bad sollten Sie feuchtraumgeeignete Polyesterstoffe wählen. Naturstoffoptiken ohne Feuchtraumfreigabe können sich bei hoher Luftfeuchte verformen oder Flecken bekommen.
Verdunkelt ein Plissee genauso gut wie ein Rollladen?
Nein. Ein Verdunkelungsplissee reduziert Licht deutlich, aber seitlich bleibt meist ein kleiner Lichtspalt. Für vollständige Dunkelheit sind Rollläden oder gut geführte Verdunkelungsrollos stärker.
Darf ich als Mieter in den Fensterrahmen bohren?
Ohne Zustimmung ist das riskant, besonders bei Kunststofffenstern. Nutzen Sie besser Klemm- oder Klebelösungen oder holen Sie eine schriftliche Erlaubnis des Vermieters ein.
