48‑V‑Wohnschiene: Unsichtbare DC‑Versorgung für Möbel, Licht und Laden in einem System
48‑V‑Wohnschiene: Unsichtbare DC‑Versorgung für Möbel, Licht und Laden in einem System
USB‑C im Sofa, magnetische Leuchten am Regal, batterielose Sensoren im Flur – klingt futuristisch, ist aber mit einer sicheren 48‑V‑Niedervolt‑Schiene heute realisierbar. Warum jetzt darüber nachdenken? Weil USB‑C PD bis 240 W liefert, immer mehr Geräte intern mit DC arbeiten und Balkonkraftwerke oder Heimspeicher ohnehin Gleichstrom bereitstellen. Die Wohnung als DC‑Mikronetz spart Netzteile, vermeidet Kabelsalat und eröffnet neue Gestaltung für Möbel und Licht.
Was ist eine 48‑V‑Wohnschiene und warum gerade 48 V
Eine Wohnschiene ist eine unsichtbar integrierte Gleichstrom‑Busleitung in Wänden, Sockelleisten oder Möbeln. Sie verteilt SELV‑sichere 48 V DC an kurze Abgänge für Licht, Ladepunkte und Kleingeräte. 48 V liegt unter der üblichen SELV‑Grenze von 60 V DC, erlaubt kompakte Leiterquerschnitte bei moderaten Strömen und harmoniert mit USB‑C Power Delivery 3.1 bis 240 W.
- Weniger Netzteile – ein zentrales, hocheffizientes Netzteil statt vieler Steckernetzteile.
- Designfreiheit – Strom aus der Sockelleiste, der Möbelfuge oder der Magnet‑Schiene, ohne sichtbare Steckdosen.
- Leiser Komfort – DC‑Leuchten flimmerfrei, Lüfter auf DC regelbar, Sensorik kabelgebunden statt batteriebetrieben.
Aufbau: Von der Einspeisung bis zur Möbelfuge
Kernkomponenten
- Zentrales 48‑V‑Netzteil 300 bis 1000 W, lüfterlos, Wirkungsgrad 94 Prozent, vorzugsweise mit DC‑Eingang für PV.
- DC‑Verteiler mit Sicherungen oder elektronischen Schutzschaltern pro Stromkreis.
- Busleitung als Kupferband in Sockelleiste, 2‑adrig 1.5 bis 4 mm², optional als flache Leiterbahn hinter Abdeckung.
- Abgänge für USB‑C‑PD‑Module, DC‑Leuchten, magnetische T‑Adapter in Möbeln.
- Steuerung per Taster an der Schiene, DALI‑2 DC oder Kleinspannungs‑Relais, optional Matter‑Gateway mit DC‑Versorgung.
Montagevarianten
- Sockelleisten‑Bus – austauschbare Abdeckungen, Abgänge an jedem Meter, ideal für Wohnzimmer und Flur.
- Möbel‑Inlay – Kupferband im Regal oder in der Küchenrückwand, verdeckte Kontakte für Leuchten und Lader.
- Deckenschiene – flache DC‑Stromschiene für Spots, Pendelleuchten und Pflanzenlicht.
Planung nach Zonen: Wo DC sofort Vorteile bringt
Wohnzimmer und Tagesbereich
Sockelleisten‑Bus für USB‑C im Sofaarm, Leselicht am Sideboard, Router und Smart‑Hub ohne Steckernetzteile. TV und Soundbar über DC‑Step‑Down versorgbar, wenn kompatibel.
Küche und Jadalnia
Unterbau‑Lichtleisten, Regal‑Spots, Ladepunkte für Mixer, Waage und Tablets. Gleichstrom‑Leuchten dimmbar per Taster, keine Trafos im Hängeschrank.
Homeoffice
USB‑C‑PD‑Panel im Schreibtisch 2 Ports 140 W plus 2 Ports 30 W. Monitor und Dock direkt aus 48 V via DC‑DC. Kabelmanagement unsichtbar im Kabelkanal.
Schlafzimmer
Nachttisch mit induktionsfreier Ladefläche per USB‑C, Warmdimm‑Leselicht 12 bis 24 V, lautlose DC‑Ventilation im Sommer.
Bad
SELV ist hier ideal. Spiegellicht, Rasierer‑Ladepad, Feuchtesensor am DC‑Bus. Mindestschutzart IP nach Zone beachten.
Leistungsauslegung und Spannungsabfall
Bei DC zählt der Spannungsabfall umso mehr, je länger die Strecke und je höher der Strom. Richtwert: maximal 3 Prozent Spannungsabfall.
| Beispiel | Leiterquerschnitt | Strom | Strecke hin und zurück | Abfall | Verlustleistung |
|---|---|---|---|---|---|
| Sockelleiste 10 m | 1.5 mm² | 5 A | 20 m | 1.19 V ca. 2.5 Prozent | 6.0 W |
| Sockelleiste 10 m | 2.5 mm² | 5 A | 20 m | 0.71 V ca. 1.5 Prozent | 3.6 W |
| Deckenschiene 6 m | 1.5 mm² | 2 A | 12 m | 0.28 V | 0.6 W |
Tipp: Speisen Sie längere Schienen beidseitig ein oder setzen Sie Zwischeneinspeisungen für gleichmäßige Spannung.
Anschlussoptionen im Alltag
- USB‑C‑PD‑Module mit EPR bis 240 W versorgen Laptop, Tablet, Werkzeugakku. Wandmodule oder Möbelfronten sind möglich.
- Magnet‑Adapter für Leuchten und Sensoren klicken ohne Werkzeug an die Schiene. Verriegelung schützt vor Zug.
- DC‑Licht 24 V oder 48 V mit Konstantstrom‑Treibern auf der Schiene. Dimmen per Taster, DALI‑2 DC oder PWM.
- Sensorik Bewegungs‑, CO2‑, Feuchte‑Sensoren mit DC‑Versorgung ersetzen Batterien und melden per Thread oder Bus.
Sicherheit, Normen, Brandschutz
- SELV Schutz durch Schutztrennung am Netzteil, berührungssichere Kontakte, keine Schutzleiterführung erforderlich.
- Überstromschutz pro Abgang 3 bis 10 A, vorzugsweise elektronische DC‑Schalter mit Kurzschlussabschaltung.
- Leitungswahl halogenfrei, flammhemmend, in Aufenthaltsräumen mechanisch geschützt verlegen.
- Feuchträume Zonen und IP‑Schutzarten beachten. In Zone 0 nicht zulässig, Zone 1 und 2 nur mit geeigneter Schutzart.
- Fachliche Prüfung Einspeisung an 230 V immer durch Elektrofachkraft. DC‑Sekundärseite ist DIY‑tauglich, dennoch belastbar planen.
Fallstudie: 42 m² Altbau mit Regal‑Stromschiene
- Setup 48‑V‑Netzteil 600 W im Flurschrank, Sockelleisten‑Bus 2.5 mm² 18 m, Deckenschiene 6 m, 7 abgesicherte Abgänge.
- Lasten 6 DC‑Leuchten 12 bis 30 W, 3 USB‑C‑Pads am Sofa bis 140 W, Router plus Switch 30 W, Sensorik 6 W.
- Ergebnis nach 6 Monaten
- Entfall von 11 Steckernetzteilen, Standby‑Reduktion grob 10 bis 15 W.
- Kabelsalat im Wohnzimmer unsichtbar, Nachrüstung von zwei Spots ohne Bohren dank Magnet‑Kontakt.
- Geräuschloses, flackerfreies Licht und schnelleres Laden am Sofa.
DIY‑Montage am Beispiel Homeoffice
Materialliste
- 48‑V‑Netzteil 320 bis 600 W lüfterlos
- DC‑Verteiler mit 6 elektronischen Sicherungen 5 A
- Sockelleisten‑Profil mit integrierter Kupferschiene 10 m
- Leitung 2 x 2.5 mm², Verbinder, Endkappen
- USB‑C‑PD‑Panel 2 x 140 W, DC‑Schalter für Licht
- DC‑Deckenleuchte 48 V 20 bis 40 W
Schritt für Schritt
- Strecke planen, Einspeisepunkt nahe Steckdose mit FI‑Schutz vorsehen.
- Leisten anbringen, Leitung einziehen, mechanisch schützen.
- Verteiler montieren, Abgänge beschriften, Auslösung testen.
- USB‑C‑Panel und Leuchte anschließen, Polarität prüfen.
- Funktionsprüfung, Spannungsabfall unter Last messen, Dokumentation erstellen.
Bauzeit 3 bis 5 Stunden je Raum, Kosten je nach Umfang 400 bis 900 Euro.
Pro und Contra im Überblick
| Aspekt | Pro | Contra |
|---|---|---|
| Effizienz | Ein großes Netzteil arbeitet effizienter als viele kleine | Teil‑Last kann Wirkungsgrad senken, Dimensionierung wichtig |
| Design | Unsichtbare Versorgung, flexible Lichtpunkte | Spezielle Komponenten erforderlich |
| Sicherheit | SELV, geringe Berührungsgefahr | Kurzschlussströme auf DC ernst nehmen, selektive Absicherung nötig |
| Skalierung | Modular erweiterbar | Initiale Planung aufwendiger als klassische Steckdosen |
Nachhaltigkeit und Zukunft
- Weniger E‑Abfall durch Wegfall vieler Netzteile.
- PV‑Direktnutzung möglich durch DC‑Kopplung von Balkonkraftwerk und Speicher mit 48‑V‑Bus.
- Batterielose Sensoren mit Energie aus der Schiene, Funk nur für Daten.
- Standardisierung USB‑C PD wird zum universellen Verbraucheranschluss im Möbel.
Mini‑Checkliste für den Start
- Raum wählen, in dem viele Kleinverbraucher und Licht zusammenkommen.
- Netzteil 20 bis 30 Prozent Reserve einplanen, Abgänge einzeln absichern.
- Sockelleiste oder Möbel als Träger wählen, Einspeisung zentral halten.
- Mindestens einen USB‑C‑Knoten und eine DC‑Leuchte vorsehen.
Fazit
Die 48‑V‑Wohnschiene bündelt Laden, Licht und Sensorik elegant hinter Möbelkanten und Leisten. Wer Komplexität und Netzteile reduzieren will, zugleich Gestaltungsspielraum sucht und PV‑Strom clever nutzen möchte, findet hier einen selten diskutierten, aber hochpraktischen Ansatz. Starten Sie mit einem Raum und erweitern Sie modulartig – das Zuhause wird leiser, aufgeräumter und zukunftsoffen.
CTA Holen Sie sich eine Skizze Ihres Lieblingsraums, markieren Sie Ladepunkte und Lichtzonen und prüfen Sie, wie eine 48‑V‑Schiene dort zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt.
